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Altenpflege

Altenbericht

Nach einem Beschluss des Deutschen Bundestages 1993 ist die Bundesregierung angehalten, in jeder Legislaturperiode einen Altenbericht vorzulegen.

Ältere Menschen spielen eine wichtige Rolle in unserer Gesellschaft. Immer mehr ältere Menschen stehen zahlenmäßig immer weniger jungen Menschen gegenüber. Die sog. Alterspyramide dreht sich auf den Kopf. 1950 lebten in Deutschland etwa doppelt so viele Menschen unter 20 Jahren wie über 59-Jährige; im Jahr 2030 wird es doppelt so viele ältere wie jüngere Menschen geben. Bereits 2010 wird ein Viertel der Bevölkerung 60 Jahre oder älter sein. Die individuelle Lebenserwartung und die Lebenserwartung ganzer Kohorten steigt an. (Kohorte: Personen, die im gleichen Zeitraum geboren sind und folglich gleichzeitig älter werden.)

Der 5. Altenbericht ist Anfang 2006 fertig gestellt. Wesentliche Leitbilder des 5. Altenberichts sind:
- Mitverantwortung
- Alter als Motor für Innovation
- Nachhaltigkeit der Generationensolidarität
- Lebenslanges Lernen
- Vorbeugung

Mitverantwortung:
Ältere Menschen sollen in ihrer Mitverantwortung für die Gestaltung des demografischen
Wandels angesprochen werden, denn sie verfügen über Potenziale, die eine doppelte Gestaltungsmöglichkeit ergeben.
a) Aus individueller Perspektive ergeben sich im Vergleich zu früheren Generationen deutlich bessere Möglichkeiten, ein an eigenen Lebensentwürfen, Ziel- und Wertvorstellungen orientiertes Leben
zu führen, an gesellschaftlicher Entwicklung teilzuhaben und sich für andere und die Gemeinschaft zu engagieren.
b) Aus gesellschaftlicher Perspektive ergibt sich die Möglichkeit, durch motivationale, soziale, kulturelle und institutionelle
Rahmenbedingungen dazu beizutragen, dass der wachsende Anteil älterer Menschen möglichst lange ein mitverantwortliches, selbstständiges und selbstverantwortliches Leben führt.


Alter als Motor für Innovation
Durch eine fortgesetze Weiterbildung, eine leistungsgerechte Arbeitsgestaltung und gezielte Maßnahmen zur Motivation älterer Arbeitnehmer kann deren Innovationsfähigkeit erhalten und
verbessert werden. Für die Gesamtgesellschaft heisst dies, dass der zunehmende
Bevölkerungsanteil älterer Menschen einen sozialen Wandel, der die wirtschaftliche
Produktivität und die Innovationsfähigkeit der deutschen Wirtschaft einschließt, auch durch die die Älteren gestaltet werden muss und ohne sie nicht gestaltet werden kann.
Angesichts der deutlich verbesserten finanziellen
Situation älterer Menschen werden auch deren Konsumgewohnheiten die wirtschaftliche
Entwicklung beeinflussen. Ältere Menschen werden zu einer starken Zielgruppe werden. Die Konsumkraft älterer Menschen ist für die Schaffung
neuer Arbeitsplätze zu erschließen.
Mit dem zunehmenden Anteil der Älteren gewinnt auch deren bürgerschaftliches Engagement
an Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft. Hier wird zunächst die Bedeutung
weiterer Potenziale des Alters deutlich, zu denen insbesondere Zeit und Interesse zu rechnen
sind. Während das im Alter zur Verfügung stehende Zeitbudget die Nutzung von Potenzialen
des Alters begünstigt (ältere Menschen haben im Allgemeinen genügend freie Zeit, um
Bildungsangebote zu nutzen, einen gesunden Lebensstil zu pflegen und sich für andere
einzusetzen), ist die Motivation für ein derartiges Engagement als eine eher „fragile“ Ressource
anzusehen. Dies hat zunächst damit zu tun, dass die Bereitschaft, sich für andere zu
engagieren, sowohl von der Überzeugung, etwas bewirken zu können, als auch von der
Erwartung, von anderen in der Rolle des engagierten Bürgers akzeptiert zu werden, abhängt.

Nachhaltigkeit und Generationensolidarität
Das Leitbild der Nachhaltigkeit und Generationensolidarität beinhaltet, dass die Förderung und
Verwirklichung von Potenzialen des Alters nicht zu Lasten anderer Generationen oder späterer
Geburtsjahrgänge gehen darf.
Die Förderung von Potenzialen des Alters ist grundsätzlich auch im Zusammenhang mit der
Notwendigkeit, eine kinderfreundliche Gesellschaft zu schaffen, zu sehen. Das entscheidende
Problem des demografischen Wandels besteht nicht in der höheren Lebenserwartung, sondern
in der geringeren Fertilitätsrate. Es stellt sich die Frage,
inwieweit die Potenziale des Alters für nachfolgende Generationen genutzt werden können.
Eine kinderfeindliche Gesellschaft ist auf Dauer nicht überlebensfähig, eine Verwirklichung von
Potenzialen des Alters langfristig nur in einer kinderfreundlichen Gesellschaft möglich.
Entsprechend erweist sich die Förderung generationenübergreifender Kontakte im Kontext der
Förderung und Nutzung von Potenzialen des Alters als eine zentrale Aufgabe.

Lebenslanges Lernen
Lebenslanges berufsbezogenes Lernen, wie allgemeine lebenslange Lernprozesse, werden an Bedeutung gewinnen. Ältere Menschen verfügen heute über einen im Vergleich zu
früheren Geburtsjahrgängen höheren durchschnittlichen Bildungsstand sowie über eine im
Durchschnitt höhere Vertrautheit im Umgang mit Bildungsangeboten. Derart veränderte
Bildungsbiografien gehen auch mit einer gesteigerten Lernfähigkeit im Alter einher. Technische
Innovationen und gestiegene Lebenserwartungen beinhalten auch das Risiko, dass
Wissenssysteme schneller veralten, bereichsspezifische Erfahrungen mithin nutzlos werden.
Entsprechend ist die Vorstellung, man könne berufliche Bildungsprozesse ausschließlich auf
einen frühen Abschnitt der Biografie konzentrieren, nicht mehr zeitgemäß. Ebenso wie sich
nachfolgende Generationen lebenslang weiterbilden müssen, sollten sich auch ältere Menschen
für Bildungsangebote öffnen. Aus individueller und gesellschaftlicher Perspektive ist eine
Neugestaltung des Lebenslaufs im Sinne einer altersintegrierten Gesellschaft erforderlich,
wobei der Verknüpfung von beruflicher Tätigkeit mit lebenslangem Lernen, Kindererziehung und
Pflege eine große Rolle zukommt.

Vorbeugung
Die Möglichkeiten der gezielten Nutzung von Potenzialen des Alters beruhen darauf,
dass die Menschen immer älter werden und auch darauf, dass sie bei guter Gesundheit ein
hohes Alter erreichen. In der Vorbeugung liegt somit eine große Chance für ein langes Leben in
guter Gesundheit, Selbstständigkeit und Mitverantwortung. Durch eine stärker präventive
Ausrichtung des Gesundheitssystems, eine Kultur des präventiven Handelns und einer
flächendeckenden Einführung von betrieblichen gesundheitsfördernden Maßnahmen lässt sich
nicht nur die Kostenentwicklung im Gesundheitssystem positiv beeinflussen, sondern auch die
Produktivität älterer Arbeitnehmer und Senioren erheblich erhöhen. Die Arbeitsfähigkeit älterer
Arbeitnehmer bleibt länger erhalten, die Zugänge zur Erwerbsunfähigkeitsrente verringern sich
und die Voraussetzungen für nachberufliche Produktivität werden verbessert. Für die
Nacherwerbsphase ist festzustellen, dass sich die Entwicklung der körperlichen und geistigen
Leistungsfähigkeit durch geeignete Trainings- und Bildungsangebote erheblich beeinflussen
lässt.