Pflegeausbildung 2026: Mehr Azubis, mehr Männer – Frauen dominieren

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Die Ausbildung zur Pflegefachfrau bzw. zum Pflegefachmann wächst weiter: In den vergangenen Jahren ist die Zahl der neuen Ausbildungsverträge deutlich gestiegen (Stand: 2026). Nach Angaben des Statistischen Bundesamts beginnen inzwischen knapp 60.000 Menschen pro Jahr eine Pflegeausbildung – rund ein Viertel davon sind Männer. Zeitgleich greift schrittweise das neue Pflegekompetenzgesetz, das Pflegefachkräften mehr Verantwortung und eine bundeseinheitliche Pflegefachassistenzausbildung bringen soll. Der Trend zeigt: Pflege wird attraktiver und vielfältiger, bleibt aber ein Beruf mit hoher Belastung und ungelösten Strukturproblemen.

Mehr Auszubildende: Trend setzt sich fort

Seit Einführung der generalistischen Pflegeausbildung im Jahr 2020 steigt die Zahl der Ausbildungsanfängerinnen und ‑anfänger kontinuierlich. Bundesweit beginnen inzwischen jährlich knapp 60.000 Personen eine Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann. Über alle Jahrgänge hinweg befinden sich deutlich mehr als 100.000 Menschen in einer Pflegeausbildung.

Die generalistische Ausbildung ersetzt die früher getrennten Berufe in der Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege. Das macht den Einstieg in die Pflege flexibler: Ein Berufsabschluss eröffnet Beschäftigungsmöglichkeiten in verschiedenen Versorgungsbereichen – von der Klinik über die stationäre Altenpflege bis zur ambulanten Pflege.

Gleichzeitig bleiben Probleme sichtbar: Viele Einrichtungen berichten, dass zwar wieder mehr Bewerbungen eingehen, aber nicht alle Auszubildenden bis zum Abschluss durchhalten. Hohe Belastung, Schichtdienste und eine teils schwierige Praxisanleitung führen dazu, dass ein Teil der Azubis die Ausbildung vorzeitig beendet.

Männeranteil steigt – Pflege bleibt Frauenberuf

Die Geschlechterverteilung in der Pflegeausbildung ist nach wie vor deutlich unausgewogen. Bundesweit sind etwa drei Viertel der Auszubildenden weiblich, rund ein Viertel männlich. In einigen Ländern liegt der Männeranteil inzwischen knapp unter 30 Prozent – Tendenz langsam steigend.

Ein Blick nach Nordrhein‑Westfalen zeigt diesen Trend besonders deutlich: Dort hat sich der Männeranteil in der beruflichen Pflegeausbildung in den vergangenen Jahren schrittweise erhöht und bewegt sich im oberen Zwanziger-Prozentbereich. In vielen Ausbildungskursen sitzen heute nicht mehr nur ein oder zwei Männer, sondern ein sichtbarerer Anteil eines Jahrgangs.

Trotzdem bleibt Pflege gesellschaftlich stark als „Frauenberuf“ wahrgenommen. Dieses Rollenbild schreckt gerade Jungen und junge Männer bei der Berufswahl noch ab. Berufsorientierung an Schulen, Kampagnen für mehr Vielfalt und männliche Vorbilder in der Pflege können helfen, die Türen weiter zu öffnen.

Pflegestudium: Langsam wachsender, aber wichtiger Baustein

Neben der beruflichen Ausbildung gewinnt das Pflegestudium an Bedeutung. Hochschulen bieten zunehmend duale oder ausbildungsintegrierte Studiengänge an, in denen Theorie und Praxis eng verzahnt sind. Ziel ist es, mehr akademisch qualifizierte Pflegefachpersonen für komplexe Aufgaben, Beratung, Forschung und Leitungsfunktionen zu gewinnen.

In manchen Bundesländern werden die Studierenden inzwischen in der amtlichen Pflegestatistik erfasst. Die Studierendenzahlen liegen noch deutlich unter denen der klassischen Ausbildung, steigen aber langsam an. Häufig ist der Anteil der Frauen im Pflegestudium sogar noch höher als in der beruflichen Ausbildung.

Wer ein Pflegestudium anstrebt, sollte sich frühzeitig bei Hochschulen und Pflegeschulen informieren. Die Studienangebote orientieren sich in der Regel am Pflegeberufegesetz und an den Vorgaben des Sozialgesetzbuchs XI. Detaillierte Informationen finden Sie beispielsweise über das Bundesministerium für Gesundheit oder das Bundesinstitut für Berufsbildung.

Rechtlicher Rahmen: Pflegeberufegesetz und Sozialgesetzbuch XI

Die zentrale rechtliche Grundlage der Pflegeausbildung ist das Pflegeberufegesetz (PflBG). Es regelt unter anderem:

  • Zugangsvoraussetzungen zur Ausbildung
  • Inhalte und Struktur der generalistischen Ausbildung
  • Prüfungen und staatliche Anerkennung
  • Berufsbezeichnungen „Pflegefachfrau“ und „Pflegefachmann“

Ergänzend spielt das Sozialgesetzbuch XI (SGB XI) eine wichtige Rolle. Es enthält Regelungen zur sozialen Pflegeversicherung, zur Finanzierung von Pflegeleistungen und zur Refinanzierung von Ausbildungskosten in Pflegeeinrichtungen. Über Umlagesysteme beteiligen sich die Einrichtungen an den Ausbildungskosten, damit Auszubildende eine Vergütung erhalten.

Für Nordrhein‑Westfalen und andere Länder gelten zudem landesrechtliche Ausführungsvorschriften, die zum Beispiel den Anteil der praktischen Ausbildung, die Anerkennung von Praxiseinsätzen oder die Anforderungen an Praxisanleiterinnen und ‑anleiter konkretisieren. Informationen dazu bieten die Landesministerien und die Statistikämter der Länder, etwa IT.NRW.

Pflegekompetenzgesetz: Mehr Verantwortung und einheitliche Assistenz

Mit dem neuen Pflegekompetenzgesetz will der Gesetzgeber die Rolle der Pflegefachkräfte stärken. Vorgesehen sind unter anderem:

  • Erweiterte Kompetenzen von Pflegefachkräften, etwa bei der eigenständigen Ausführung bestimmter heilkundlicher Tätigkeiten innerhalb klar definierter Grenzen
  • Verbesserte Möglichkeiten, Aufgaben zu übernehmen, die bislang Ärzten vorbehalten waren, sofern Qualifikation und Rahmenbedingungen stimmen
  • Aufbau einer bundeseinheitlichen Pflegefachassistenzausbildung mit klaren Kompetenzprofilen

Für Auszubildende bedeutet dies: Die Anforderungen an Wissen und Können steigen, gleichzeitig eröffnen sich zusätzliche Einsatz- und Aufstiegsmöglichkeiten. Wer heute eine Ausbildung beginnt, wird voraussichtlich in eine Berufsrealität hineinwachsen, in der Pflegefachkräfte mehr Verantwortung tragen als bisher.

Konkrete Details, etwa zu zulässigen Tätigkeiten oder Qualifikationsanforderungen, werden in nachgeordneten Verordnungen und Richtlinien ausgestaltet. Einen Überblick zu Zielen und Inhalten des Gesetzes finden Sie beim Deutschen Bundestag und beim Bundesministerium für Gesundheit.

Ausbildungsalltag: Belastung, Abbruchquoten und Vergütung

Trotz der positiven Entwicklung bei den Ausbildungszahlen bleibt der Pflegeberuf herausfordernd. Fachverbände, Studien und Berichte aus der Praxis weisen auf mehrere Probleme hin:

  • Hohe Belastung: Körperlich anstrengende Tätigkeiten, psychische Belastungen durch Krankheits- und Sterbesituationen sowie Schicht- und Wochenenddienste.
  • Abbruchquoten: Viele Auszubildende berichten, dass Theorie und Praxis nicht immer gut verzahnt sind und die Praxisanleitung zu kurz kommt. In einigen Regionen sind die Abbruchquoten entsprechend hoch.
  • Vergütung: Zwar ist die Ausbildungsvergütung in tarifgebundenen Einrichtungen deutlich besser als früher in vielen Helferberufen, sie bleibt aber im Vergleich zu einigen technischen oder handwerklichen Ausbildungen zum Teil zurück.

Für Einrichtungen bedeutet das, dass sie ihre Ausbildungsqualität verbessern müssen, um Auszubildende zu halten. Ausreichend qualifizierte Praxisanleiterinnen und ‑anleiter, verlässliche Ansprechpersonen und eine gute Einarbeitung in den Alltag spielen eine zentrale Rolle. Informationen zur Qualität der Ausbildung und zu rechtlichen Mindeststandards finden Sie unter anderem auf pflegeausbildung.net und bei den zuständigen Landesbehörden.

Für wen sich die Pflegeausbildung 2026 lohnt

Eine Pflegeausbildung kann sich 2026 besonders lohnen für:

  • Schulabgängerinnen und Schulabgänger mit mittlerem Bildungsabschluss, die einen krisensicheren Beruf mit direktem Kontakt zu Menschen suchen.
  • Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, die bereits Berufserfahrung in anderen sozialen, medizinischen oder dienstleistungsorientierten Bereichen haben.
  • Männer, die bewusst einen „klassischen Frauenberuf“ wählen und einen Beitrag zu mehr Vielfalt in der Pflege leisten möchten.
  • Personen, die sich langfristig Leitungsaufgaben, Fachspezialisierungen oder ein Pflegestudium vorstellen können.

Wichtige erste Anlaufstellen für Informationen sind Pflegeschulen, Pflegeeinrichtungen und die Berufsberatung vor Ort. Einen Überblick über rechtliche Grundlagen und Zahlen zur Pflegeausbildung bieten das Statistische Bundesamt, das Bundesministerium für Gesundheit sowie die Statistikämter der Länder.

FAQ zur Pflegeausbildung 2026

Wie viele Menschen beginnen aktuell eine Pflegeausbildung?

Jährlich starten bundesweit knapp 60.000 Menschen eine Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann. Über alle Jahrgänge hinweg befinden sich deutlich mehr als 100.000 Personen in der Ausbildung.

Wie hoch ist der Anteil von Männern in der Pflegeausbildung?

Der Männeranteil liegt bundesweit bei rund einem Viertel. In einzelnen Bundesländern, etwa in Nordrhein‑Westfalen, erreicht er knapp 30 Prozent – mit leicht steigender Tendenz.

Welche gesetzlichen Grundlagen gelten für die Pflegeausbildung?

Zentrale Grundlagen sind das Pflegeberufegesetz (PflBG) sowie das Sozialgesetzbuch XI (SGB XI). Hinzu kommen landesrechtliche Regelungen und Ausbildungsverordnungen.

Was ändert sich durch das Pflegekompetenzgesetz?

Das Pflegekompetenzgesetz stärkt die Rolle der Pflegefachkräfte, erweitert ihre Befugnisse in definierten Bereichen und führt eine bundeseinheitliche Pflegefachassistenzausbildung ein.

Welche Voraussetzungen brauche ich für die Pflegeausbildung?

In der Regel benötigen Sie einen mittleren Schulabschluss oder eine abgeschlossene Berufsausbildung sowie eine gesundheitliche Eignung. Die genauen Anforderungen legen die Pflegeschulen und Länder fest, orientiert am Pflegeberufegesetz.

Gibt es auch ein Pflegestudium?

Ja. Viele Hochschulen bieten duale oder ausbildungsintegrierte Pflegestudiengänge an. Diese führen zu einem akademischen Abschluss und häufig parallel zur Berufsqualifikation als Pflegefachfrau oder Pflegefachmann.

Wo erhalte ich neutrale Informationen zur Pflegeausbildung?

Seriöse Informationen finden Sie beim Bundesministerium für Gesundheit, beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), beim Statistischen Bundesamt und bei den Statistikämtern der Länder, etwa IT.NRW.

Quellen (behördlich/seriös)

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